21. Juni 2018

Wie soll man die Einträge nennen: Tagebuch, Journal oder doch Blog? Und wer hat auf diese Einträge gewartet? Ein Tagebuch für Einsiedler vielleicht. Gesetzt der Fall, es läse niemand das Geschriebene, so bliebe doch die Zuversicht, dass jene Worte, die wahr sind, sich im Unbewussten ablagern, um von den »Bedürftigen« aufgegriffen werden zu können. Das Unbewusste ist Gemeingut, das durch nichts beschränkt werden kann. Allerdings ist der Zugriff auch nicht jedem erlaubt. Bestechen lässt sich der Wächter dieses Bereiches nicht, und weder durch Macht noch durch Geld lässt sich die Pforte öffnen. Andererseits hält jeder den Schlüssel in der Hand. Ob er ihn zu benutzen weiss, steht aber auf einem anderen Blatt geschrieben.
Das Tagebuch verlangt nach Aktualitäten. Um diese jedoch einordnen und deuten zu können, bedarf es mehr als der Analyse oder der eigenen, unabhängigen Meinung. Das Aktuelle ist immer nur die Spitze des Eisbergs. Diese verändert sich jedoch nicht, wenn ausgewogener darüber berichtet oder sie von verschiedenen Seiten her betrachtet wird. Vielleicht muss man, um mit Cioran zu sprechen, einfach mutig ausharren, wenn sich keine schnellen Antworten einstellen, sich in Grenzsituationen begeben, diese als Ausgangspunkt nehmen und das Ende als Beginn.

Veröffentlicht am 19.06.2018 17:05 Uhr.