Renaturierung

3.9.2019

Renaturierungen oder Revitalisierungen bezwecken »die vom Menschen im Laufe der Jahre überformten Fliessgewässer in einen naturnahen Zustand zurückzubringen.« Dabei werden, wie im konkreten Fall eines zu renaturierenden Baches, die Vernetzung des Baches mit der Landschaft, die Schaffung bachtypischer Strukturen wie Kiesbänke und Flachwasserzonen, die Förderung der Dynamik sowie die Erstellung von Flutmulden angestrebt.

Hier wird versucht, die Natur nachzubilden und durch technische Perfektion noch zu übertreffen. So ist ein naturnaher Zustand kein natürlicher Zustand; ein solcher kann nur durch die »Zeit« entstehen – durch das Akzeptieren des Unvollständigen. Ausserdem vernetzt sich ein Bach nicht mit der Landschaft, sondern gehört, wo er fliesst, zur Landschaft. Vernetzung ist ein sozialer Begriff, der von isolierten Individuen geschaffen worden ist. Ebenso erschafft sich der Bach seine Strukturen selber, und sei es, dass er die künstlichen, vom Menschen eingebrachten Elemente erst überdauern muss. Schliesslich braucht der Bach keine Flutmulden; diese braucht nur der Mensch, damit er den Bach jederzeit im Griff hat – vielleicht sogar im Würgegriff.

»Renaturierung« ist eine Sprachlüge.

Veröffentlicht am 03.09.2019 9:17 Uhr.