Stellungnahme zum AZ-Artikel
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Bekannte
Die Schaffhauser AZ publiziert in ihrer heutigen Ausgabe einen Artikel über mich.
Dabei werde ich in die rechtsextreme Ecke gestellt. Grund für diese absurde Einstufung ist mein Bezug zum deutschen Verlag Antaios, für den ich auf Anfrage vor 15(!) Jahren ein kleines Büchlein über Architektur und Natur- und Heimatschutz verfasst habe (dadurch, und weil die Schrift mehrmals neu aufgelegt wurde, gelte ich auch heute noch als Antaios-Autor). Dieses Büchlein ist damals von der Architekturzeitschrift Hochparterre zum Buch der Woche gekürt worden, ETH-Professor Gion Caminada hat mich, auch aufgrund dieses Büchleins, zu einem Architekturgespräch an die ETH eingeladen und die heutige SP-Nationalrätin Anna Rosenwasser hat in den SN eine positive Rezension dazu verfasst.
Ebenfalls basierend auf diesem Büchlein habe ich in der Folge ein paar wenige Artikel über Architektur in der Zeitschrift Sezession des Antaios-Verlags publiziert, auf Einladung das Büchlein präsentiert und an einem Literaturgespräch (anlässlich eines Sommerfestes) teilgenommen. Die Möglichkeit der Veröffentlichung von Artikeln in der Sezession bedeutet für mich jedoch noch nicht, dass ich mit den Positionen aller Antaios-Autoren übereinstimme. Unabhängig von mir hat der Literaturwissenschaftler und Historiker Prof. Dr. Günter Scholdt eine Schrift über mich und mein literarisches Werk verfasst, die er dann ebenfalls im Antaios-Verlag (der vor kurzem aufgrund der besonderen innerdeutschen Situation als gesichert rechtsextrem eingestuft worden sein soll) herausgegeben hat.
Wer weiss, ob es klug war von mir, mit der AZ nicht zu sprechen? Mir schien jedenfalls das gezielte Hinarbeiten auf einen Skandal und die nicht vorhandene Bereitschaft, auf Inhalte einzugehen, Grund genug für meinen Entscheid. Und warum ich mich nicht öffentlich von Antaios distanziert habe? Weil legale Meinungsvielfalt zur Demokratie gehört. Ich distanziere mich auch nicht öffentlich von der heutigen, in mancher Hinsicht fragwürdigen AZ, obwohl ich einst diverse Artikel für diese Zeitung verfasst habe. Trotzdem: Ich verurteile alle Bestrebungen, die der Menschenwürde zuwiderlaufen. Insbesondere aber Ideologien, welcher Art auch immer. Das ist auch die Botschaft meines literarischen Werks.
Was die AZ nun vorlegt, dürfte auf Rufmord hinauslaufen. Sie greift, wie es aussieht, eine »Kontaktschuld« auf und reitet darauf herum; meine Meinung oder mein literarisches Werk ist dabei völlig uninteressant. Man hat es ausschliesslich auf meine Person abgesehen, bauscht formale Vorgänge zu einem Skandal auf. »Cancel culture« kann man das auch nennen. Der Schweizer Autor Adolf Muschg sagte 2021 dazu: »Ein falsches Wort« (oder ein falscher Kontakt) »und du hast den Stempel (…)«
Wer mich und mein Werk kennt, weiss, dass ich mich zwar kritisch zu gesellschaftlichen Themen äussere, mich dabei aber immer auf die Seite des Individuums, mitunter der »Verlierer« stelle. So bin ich seit über dreissig Jahren im Bereich der sprachlichen Integration tätig und engagiere mich – ebenfalls seit Jahren – für den Natur- und Heimatschutz und bei gemeinnützigen sozialen Stiftungen. Das möchte ich auch weiterhin so halten, auch wenn es nicht »allen« genehm ist.
Apropos antisemitisch: Unter den aktuellen Neuerscheinungen von Antaios befindet sich ein Erzählband von Elisabeth Langgässer (1899-1950). Ihre Schriften waren während der NS-Zeit verboten, da sie nichtarischer Abstammung war. Ihre Tochter, die Volljüdin war, wurde nach Einführung des Judensterns nach Ausschwitz deportiert. Langgässer äusserte sich in ihren Schriften stets kritisch zum NS-Regime.
Vielen Dank für die Kenntnisnahme und herzliche Grüsse
Volker Mohr
PS: Ein Zitat von Prof. Dr. Mario Andreotti, St. Gallen
»Gute Literatur (…) ist nicht nur irratonale Stimmungskunst; sie muss auch stören, irritieren und uns Leserinnen und Leser damit zur Reflexion zwingen. ›Dichtung ist Widerspruch, nicht Zustimmung zum Bestehenden‹, hat Hans Magnus Enzensberger einmal geschrieben. Das gilt für die moderne Literatur und hier für die Erzählprosa von Volker Mohr in besonderem Masse. Seine Erzählungen und Novellen machen uns vielleicht nicht tauglicher für diese Welt, aber feinfühliger, scharfsinniger, hellhöriger, kritischer. Mit einem Wort: reicher.«
Veröffentlicht am 04.06.2026 6:23 Uhr.