Zersiedelung

11.9.2019

Im Kanton Schaffhausen wird demnächst über eine Initiative abgestimmt, die die Zersiedelung stoppen oder zumindest eindämmen will.

Das Ansinnen der Initianten ist löblich. Aber: Gesetze sind machtlos, wenn die Inhalte bereits gesetzt sind. Die Zersiedelung zählt zu den realen Erscheinungen respektive den Konsequenzen der Atomisierung des Menschen. Der Mensch selbst ist zersiedelt. Seine Bande sind gekappt. Er ist mit einer Familie einer Gemeinde oder einem Land nur noch lose verbunden, denn er versteht sich als Individuum, das vor allem unterwegs ist und seine Partnerschaften beständig wechselt. Auch einem Volk fühlt er sich nicht mehr zugehörig, er ist Europäer oder Weltenbürger.

Die rechtlichen und planerischen Vorgaben, die die Siedlungsentwicklung steuern sollen, stehen bisweilen im Widerspruch zur expansiven Verhaltensweise des modernen Menschen. Masshaltung ist nur dann zu erreichen, wenn der Mensch wieder in ein Gefüge eingebettet ist. Soziale Regelungen genügen dazu nicht, denn diese betreffen nur den sichtbaren Teil des Eisberges. Auf den unsichtbaren, aber massgebenden Teil haben sie keinen Einfluss.

Veröffentlicht am 11.09.2019 6:53 Uhr.