Schöne neue Welt
Lieber G.
Früher sind wir gelegentlich in der Scheffellinde eingekehrt, einem stattlichen Gasthaus in einer kleinen Gemeinde im Südschwarzwald, die ihren Namen vom Dichter Josef Victor von Scheffel (1826-86) hat. Doch dann sind plötzlich Auswärtige gekommen, Cars sind angefahren, die alten, massiven Stühle wurden gegen Plastikstühle ausgetauscht etc. Wir sind dann nicht mehr hingegangen.
Am Montag waren wir auf dem Hohen Hirschberg im Appenzellerland. Man gelangt über ein schmales Strässchen zu dem erhöht gelegenen Gasthaus, von wo aus man eine herrliche Aussicht auf das Säntismassiv hat. Als wir wieder aufbrachen, begegneten wir einer Reisegruppe und unten beim kleinen Parkplatz manövrierte der dazugehörige Reisecar.
So gäbe es noch unzählige Beispiele, etwa das alte Hotel auf der Schwägalp, das einem neuen, nichtssagenden Modebau weichen musste, oder das vielgepriesene Bregenzer Kunsthaus von Stararchitekt Peter Zumthor (wir haben am Montag noch einen Abstecher nach Bregenz gemacht), ein monotoner Quader, den man unweigerlich für ein Parkhaus hält.
Ich dachte dabei wieder an die Schriften von Max (Max Picard, 1888-1965, Schweizer Kulturphilosoph). Vor allem an das Italienbuch (Zerstörte und unzerstörbare Welt). Eines der wichtigsten Bücher – gerade in unserer Zeit.
Herzliche Grüsse
Volker
Veröffentlicht am 30.09.2026 8:14 Uhr.