Laubbläser

12.11.2019

Der Laubbläser als Abbild der Politik. Zuerst unter grossem Lärm alles aufwirbeln und dann umverteilen.

Veröffentlicht am 12.11.2019 8:38 Uhr.

Preis der Freiheit

10.11.2019

Auf Empfehlung von Vera Lengsfeld den ZDF-Dreiteiler »Preis der Freiheit« geschaut. Ein gut gemachter Film über den Mauerfall und das Ende der DDR. Insbesondere die Schauspieler brillieren: Nadja Uhl, Nicolette Krebitz, Joachim Król und vor allem Barbara Auer in der Rolle der unbeirrbaren, regimetreuen Funktionärin.

Interessant auch die Zwischentöne. So wird im dritten Teil, nachdem die Mauer bereits gefallen ist, Gregor Gysi erwähnt, der, wie es im Film heisst, die SED geschickt in die PDS umgewandelt habe. Auch eine Gruppe von Aktivisten wird gezeigt, die 89 auf die Strasse ging und für Freiheit gekämpft hat. Die Aktivisten schliessen sich nach dem Mauerfall den Grünen an, fordern aber nicht etwa eine freiheitlich pluralistische Gesellschaft, sondern einen reformierten Sozialismus.

Das ist jetzt dreissig Jahre her. In weiteren dreissig Jahren wird man vielleicht einen Film sehen mit dem Titel »Dreissig Jahre nach dem Mauerfall«. Und es würde nicht erstaunen, wenn man darin gewisse Akteure wieder erkennen würde. Andere Namen würden sie tragen und natürlich wären sie demokratisch legitimiert. Einzig deren Forderung nach Gleichheit und deren Beteuerung, dass ihr Handeln alternativlos sei, würde sie verraten. Aber das hat man damals, dreissig Jahre nach dem Mauerfall, nicht wahrhaben wollen.

Veröffentlicht am 10.11.2019 10:17 Uhr.

Entzauberung

16.10.2019

Nachdem die Welt entzaubert worden war – dies geschah insbesondere durch die Aufklärung, die dem rationalen Denken und dem Fortschritt Tür und Tor öffnete – konnten praktisch alle bestehenden Tabus gebrochen werden. Die Erde und auch der Mensch liessen sich jetzt bedingungslos ausbeuten. Wald, Meer und Berge, einst Träger des Namenlosen, wurden nun erschlossen, abgeholzt, leergefischt, bisweilen auch vergiftet, und durch den Tourismus in Beschlag genommen. Damit verschwand das Numinose, der Mythos, und es ist den Brüdern Grimm zu verdanken, dass sie jene Erzählungen, die von einer verzauberten Welt sprechen, die Märchen, in die Gegenwart retteten.

Von den Literaten beklagt Hölderlin das Entschwinden der Götter und zieht sich in seine Klause zurück, während E.T.A. Hoffmann, Chamisso, Brentano, Eichendorff etc. in ihren fälschlicherweise als romantisch angesehenen Erzählungen den Mythos noch einmal aufleben lassen.

Was durch das rein rationale Denken verloren ging, sieht man besonders deutlich an der Architektur. Das Haus von heute ist ein gläserner Käfig, ein schnörkelloser Kubus, dem es an all jenen Elementen mangelt, die ein Gebäude aus der Zeit vor der Aufklärung auszeichnen – insbesondere fehlt es ihm am inneren Ausdruck. Es ist nicht mehr einzigartig und original, sondern Produkt der industriellen Fertigung und somit reproduziert.

Es ist das Zauberhafte, das den modernen Häusern fehlt, die Identität, die das Wesenhafte preisgibt aber auch ein Stück zurückbehält, das nur erahnt, aber keinesfalls analysiert werden kann.

Veröffentlicht am 16.10.2019 10:10 Uhr.

Nachhaltigkeit

13.10.2019

Bevor die alltäglichen Dinge – Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände, Häuser, Autos, oder mit einem Wort: das Leben – industrialisiert wurden, waren sie von Handwerkern hergestellt worden, von einer bestimmten Person die im wahrsten Sinne des Wortes Hand anlegte. Damit waren Qualität und Nachhaltigkeit gesichert – die Dinge waren in aller Regel gebrauchsfähig bis ans »Ende aller Tage«.

Das hat sich mit der Industrialisierung geändert. Die Nachhaltigkeit stand der Idee der industriellen Produktionsweise im Weg, und so hat man die Funktionsdauer der Güter reduziert – im Fall der Glühbirnen etwa auf 1000 Stunden.

Diese »Philosophie« wird sich auch mit der Entwicklung und dem Einsatz neuer Technologien nicht ändern, im Gegenteil: Alle zwei Jahre ein neues Handy, Tablet oder auch ein neues E-Bike. Auch ein Elektroauto muss nach zehn Jahren Schrott sein, und um diesen Vorgang anzukurbeln, wird man wohl auch in Zukunft auf Ideen wie etwa die »Abwrackprämie« kommen.

Der industriell geprägte Markt verlangt nach Schnellebigkeit und somit nach dem Verschleiss von Rohstoffen – letztlich nach dem Verschleiss von Leben.

Um diesen Prozess aufrechterhalten zu können, muss sich die Technologie immer schneller verändern. Die Klimajugend dient hier als Katalysator. Deshalb geniesst sie in industriellen Kreisen auch grosse Sympathie.

Veröffentlicht am 13.10.2019 8:21 Uhr.

Verändertes Klima

9.10.2019

Der Sommer 2018 ist, zumindest in Europa, jedem in Erinnerung. Von März bis November anhaltendes schönes und warmes, bisweilen heisses Wetter und viel zu wenig Regen. Ein Jahrhundert- wenn nicht gar ein Jahrtausendsommer. Solche Extreme gab es allerdings immer wieder – man denke nur an die Megadürre von 1540. In jenem Jahr soll es in Basel und Köln möglich gewesen sein, den Rhein trockenen Fusses zu durchschreiten, während der Bodensee zu einem grossen Teil ausgetrocknet war.

Was damals noch unmöglich war, ist heute in den Bereich des Machbaren gerückt: die Beeinflussung des Wetters. So wurden bereits im Jahr 1900 auf einem internationalen Kongress Hagelkanonen präsentiert, und im selben Jahr waren auf Sammelbildchen einer Schokoladenfirma Schönwettermaschinen dargestellt, wie man sie im Jahr 2000 verwenden würde.

Auf Wikipedia ist zu lesen, dass sich die grossräumige Beeinflussung des Wetters oder gar des Klimas noch im Experimentierstadium befinde. Verschiedene Forschergruppen hätten erste theoretische und praktische Ansätze für Manipulationen entwickelt, die immer wieder ausprobiert würden.

Denkbar wäre, dass dieses Ausprobieren auch im Jahr 2018 stattgefunden hat, und dass Greta Thunberg Teil dieses Ausprobierens ist – eines Ausprobierens, das vor allem der Wirtschaft dienen würde, für die der Klimawandel im Grunde genommen ein Segen ist.

Es gab in der Geschichte immer wieder Momente, in denen ein »Klimawandel« anstand. Oft wurde dieser jedoch durch Demonstranten und demonstrative Gesten unterlaufen, so dass der inhaltliche Prozess abgewürgt wurde, oder, um es mit den Worten des Religionsphilosophen Romano Guardini zu sagen: Die Krankheit wurde nicht ausgestanden – wodurch, wie nach einer überstandenen Grippe, ein Entwicklungsschritt resultiert hätte, sondern es wurde formal eingegriffen, die Krise somit verdrängt. Das geschah im 16. Jahrhundert durch die Reformation, 1968 und es scheint heute wieder soweit zu sein.

Eine Klimaveränderung steht zweifellos an. Eine Veränderung, die sich möglicherweise auf alle Lebensbereiche beziehen wird. Es ist jedoch zu vermuten, dass die letztlich heilsame Krise einmal mehr durch »Aktivisten« verdrängt wird.

Veröffentlicht am 09.10.2019 9:21 Uhr.

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